Festschrift für Papst Benedikt XVI.
zum 95. Geburtstag - 16. April 2022

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Der Vorsitzende der "Gesellschaft zur Förderung christlicher Veranwortung", Rechtsanwalt Roger Zörb, im Mai 2015 beim Heiligen Vater im Kloster mater ecclesiae.

Wie bereits zum 80., 85. und 90. Geburtstag, ehren wir Seine Heiligkeit, unseren verehrten papa emeritus Benedikt XVI., anläßlich seines 95. Geburtstages im April 2022 mit einer ganz besonderen Festschrift.

Ehrenherausgeber ist neben unserem verstorbenen Ehrenvorsitzenden Professor Georg Ratzinger sein Nachfolger Dr. Karl Braun, Erzbischof em. von Bamberg.

Im ersten Teil dieses Buches werden zahlreiche namhafte Autoren dem Jubilar eine kleine Lesefreude bereiten.

Im zweiten Teil werden in einer tabula gratulatoria zahlreiche Gratulanten, alphabetisch und mit Wohnort gelistet, dem Heiligen Vater alles Gute und Gottes Segen wünschen. Sie haben Gelegenheit, sich kostenlos in die Gratulantenliste einzutragen.

Bitte nutzen Sie hierfür unser Formular bis spätestens 20. Februar 2022. Dokumentieren Sie Ihre Teilnahme an diesem großartigen Ereignis – verewigen Sie Ihren Namen in einem einzigartigen Dokument!

 
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Für die Festschrift 2022 haben folgende Autoren einen Beitrag verfaßt:

Bischof em. Heinz Josef Algermissen (Fulda)

Erzbischof em. Dr. Karl Braun (Bamberg)

Prof. Dr. Achim Buckenmaier (Vorsitzender des Stiftungsrates "Joseph Ratzinger /

     Papst Benedikt XVI.-Stiftung")

Kardinal Prof. Dr. Willem Jacobus Eijk (Utrecht)

Prof. Dr. Hubert Gindert (Vorsitzender Forum Deutscher Katholiken)

Prof. Dr. Michaela C. Hastetter

Prof. Dr. Ulrich Hemel (Vorsitzender Bund Katholischer Unternehmer)

Dr. h. c. Michael Hesemann (Publizist)

Prof. Dr. Claus Hipp (Unternehmer)

Kardinal Prof. Dr. Kurt Koch (Rom)

Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Roland Koch

Martin Lohmann (Publizist)

Prof. Dr. Georg May (Theologe und Apostolischer Protonotar)

Prälat Prof. Dr. Helmut Moll (Hrsg. des Deutschen Martyrologiums des 20. Jahrhunderts)

Kardinal Prof. Dr. Gerhard Müller (Rom)

Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Werner Münch

Bernd Posselt (Vorsitzender Paneuropa-Union)

Generalleutnant Dr. Ansgar Rieks (Stv. Inspekteur der Luftwaffe)

Prof. Dr. Cornelius Roth (Theologische Fakultät Fulda)

Dr. Frank Sobiech (Universität Würzburg)

Rüdiger von Stengel (Unternehmer)

Manfred Weber, MdEP (Fraktionsvorsitzender Europäische Volkspartei)

Prof. Dr. Dr. Ralph Weimann (Theologe und Priester, Rom)

Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln)

Abtprimas em. Notker Wolf OSB

„Eine Festschrift für Benedikt XVI.?“ fragten einige Freunde und Bekannte zu Beginn des Jahres, als der redaktionelle Endspurt lief. Selbstverständlich; gerade jetzt!

Die Debatte um ein mögliches Fehlverhalten von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. im Zusammenhang mit Missbrauchsverbrechen hat mich und viele Schwestern und Brüder im Glauben erschüttert und wegen ihrer Einseitigkeit befremdet. Häufig zitiert wurde in diesem Zusammenhang die bemerkenswerte „sprungbereite Feindseligkeit“ gegenüber unserem früheren Kirchenoberhaupt. Es ging vielen Medien nicht mehr um die Sache. Ziel war es, Joseph Ratzinger als Menschen, als Theologen, als Bischof und als Papst der Lüge und des Vertuschens zu überführen und seine persönliche Integrität, seinen Ruf und sein Lebenswerk zu zerstören. Von „Wir sind Papst“ zu „Du sollst nicht lügen“. „Hosianna“ und „Kreuzige ihn!“; das kennen wir aus der biblischen Geschichte.

 

In der von Benedikt XVI. autorisierten Biografie von Peter Seewald ist nachzulesen, dass der damalige Erzbischof Ratzinger an der fraglichen Sitzung teilgenommen hat – aber auch, dass es gar nicht um die Frage ging, ob der betreffende Priester in der Seelsorge eingesetzt wird. Als Jurist habe ich daher keinen Zweifel, dass es sich um eine – allerdings ärgerliche und vermeidbare – Ungeschicklichkeit seines Beraterumfeldes gehandelt hat. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Kardinal Müller wies in diesem Kontext darauf hin, dass es geradezu „grotesk“ sei, einen Mann wie Papst em. Benedikt XVI. der Welt als Lügner vorführen zu wollen. Er sei vielmehr der Mann gewesen, der an entscheidender Stelle als Präfekt der Glaubenskongregation und als Papst das vernachlässigte kirchliche Strafrecht wieder zur Geltung gebracht hat. Als Präfekt der Glaubenskongregation war er beim Thema Missbrauchs­bekämpfung Vorreiter, der dafür sorgte, Priester wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Klerikerstand zu entlassen. Als Papst hat er 2010 die Verjährungsfrist für die kirchenrechtliche Ahndung verlängert und den überfälligen Perspektivenwechsel eingeleitet, dass nicht die straffälligen Kleriker zu schützen sind, sondern die Opfer im Mittelpunkt der Hilfe und Aufklärung stehen müssen.

 

Diese Bewertung teilt der italienische Kardinal Camillo Ruini, der Benedikt XVI. attestierte, als Kardinal und als Papst viel getan zu haben, „um die Plage der Pädophilie von Klerikern auszurotten“.

 

Auch der Schweizer Ethiker, Philosoph und Priester Martin Rhonheimer wandte sich gegen die Darstellung, der emeritierte Papst Benedikt XVI. habe in seiner Zeit als Erzbischof und Glaubenspräfekt ein „Vertuschungssystem“ gefördert. Man solle Joseph Ratzinger dafür danken, dass er begann, den „Stall des Augias“ auszumisten. Joseph Ratzinger sei vielmehr die Zielscheibe von Gegnern, die sein theolo­gisches Erbe und seine Reputation zerstören wollen, erklärte der Gründungspräsident des Austrian Institute of Economics and Social Philosophy in Wien:

 

„Ratzingers Theologie, sprachlich schön, gedanklich attraktiv und zudem eine Verteidigung des traditionellen Glaubens der Kirche, begeisterte Massen von Gläubigen und brachte unzählige Menschen der Kirche näher.“

 

Der Fuldaer Bischof em. Heinz Josef Algermissen kennt Benedikt XVI. seit vielen Jahren und begegnete bei allen Gesprächen einem „sehr nachdenklich-analytischen, empathischen, anteilnehmenden Menschen, der trotz allem von der Gutheit der menschlichen Natur überzeugt war“. Ihn durch Unterstellungen und Verdächtigungen zu verletzen, sei für ihn ein Skandal. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer ergänzte, er habe „den papa emeritus immer als einen aufrichtigen und grundehrlichen, auch einen sensiblen und liebens-würdigen Menschen kennengelernt“. Goldene Worte!

 

Benedikt XVI. bat inzwischen mehrfach um Entschuldigung. Er spricht öffentlich von seinem „Schmerz über die Vergehen und Fehler“, die in seinen Amtszeiten an den verschiedenen Orten geschehen sind. Er bringt seine „tiefe Scham“, seinen „großen Schmerz“ und seine „aufrichtige Bitte um Entschuldigung gegenüber allen Opfern sexuellen Missbrauchs“ durch Priester zum Ausdruck. Sein treuer Privatsekretär Erzbischof Dr. Georg Gänswein ließ uns wissen, dass der papa emeritus immer betont habe, „Jedes Missbrauchsopfer ist eines zu viel, das heißt, jede Tat ist eine zu viel, und sie ist letztlich auch nicht wieder gut zu machen. Das Einzige was helfen kann, ist die Bitte um Vergebung und auch die Bitte, diese Menschen unter den Schutz Gottes zu stellen.“ Man spürt förmlich, wie er heute noch leidet, und deshalb bittet er alle Gläubigen um ein Gebet für ihn, obwohl er persönlich nie schuldig geworden ist.

 

Die vorstehenden Ausführungen stehen vollumfänglich im Einklang mit unserem Ehrenvorsitzenden Erzbischof em. von Bamberg, Dr. Karl Braun, der seit Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils mit Papst em. Benedikt XVI. besonders verbunden ist. Angesichts der beschämenden konzentrierten Kampagne gegen den emeritierten Papst betont er: „Ein persönlich unverschuldeter Fehler kann nicht mit einer bewussten Falschaussage bzw. Lüge gleichgesetzt werden. Die Wahrheit über das Verhalten des 264. Nachfolgers Petri wird siegen. Auf seine lautere Persönlichkeit traf und trifft das Psalmwort zu: „Falschheit sei meinem Herzen fern; ich will das Böse nicht kennen. ... Meine Augen suchen die Treuen im Land; sie sollen bei mir wohnen.“ (Ps 101, 4.6)

 

Der 80. Geburtstag des Heiligen Vaters liegt inzwischen fünfzehn Jahre zurück. Im Rahmen einer Audienz am 25. April 2007 konnte unsere erste Festschrift Seiner Heiligkeit bei strahlendem Sonnenschein auf dem Petersplatz übergeben werden. Unser verstorbener Ehrenherausgeber, Professor Georg Ratzinger, schrieb im Nachgang zur Übergabe in Rom die folgenden Sätze:

 

„Von meinem Bruder, dem Heiligen Vater, erfuhr ich inzwischen, daß Sie ihm das Buch überreichen konnten. Sowohl diese Überreichung als auch das Buch selbst haben ihm große Freude bereitet und er empfindet es nach meinem Urteil als ganz besonderen Beitrag zur Feier seines Geburtstages.“

 

Auch die Festschrift zum 85. Geburtstag konnte dem Heiligen Vater persönlich übergeben werden. Diese eindrucksvolle Begegnung am 25. April 2012 war ein Erlebnis, welches den Teilnehmern noch oft Kraft für den Alltag spendet. Eine besondere Überraschung und Freude war nach der Übergabe eine spontane Einladung unseres Ehrenherausgebers zu einem kurzen Besuch in das päpstliche Haus.

 

Nach der Lektüre der Festschrift bedankte sich der Heilige Vater mit folgenden Zeilen:

 

„So möchte ich Ihnen nun selber ein Wort ganz herzlichen Dankes für dieses reichhaltige Buch sagen, in dem prominente Autoren, die als Christen mitten in der Welt und vielfach in der politischen Arbeit stehen, den Zusammenhang von Glaube und politischem Handeln beleuchten. Es ist ein außerordentlich reichhaltiges Buch, in dem ich immer wieder gern lese.“

 

Im Mai 2015 fand die letzte persönliche Begegnung in Rom statt. Der Heilige Vater empfing meine Ehefrau Venera und mich zu Hause, im Kloster mater ecclesiae. Wir saßen eine halbe Stunde zusammen und sprachen im wahrsten Sinne des Wortes über „Gott und die Welt“. Wir werden diesen Tag nie vergessen und schöpfen immer wieder Kraft aus dieser Quelle.

 

Die dritte Festschrift – zum 90. Geburtstag – durfte ich dem Aposto­lischen Nuntius in Deutschland, dem Hochwürdigsten Erzbischof Dr. Nikola Eterović, im April 2017 in Berlin zu treuen Händen zur Weiterleitung überreichen. Im Mai 2017 schrieb der Heilige Vater:

 

„Dieser Tage ist die große Festschrift auf meinen Tisch gekommen, die Sie zum Anlaß meines 90. Geburtstages mit meinem Bruder als Ehrenherausgeber erstellt haben. Es ist ein rundum erfreuliches Opus, für das ich Ihnen nur herzlich danken kann. Die Mühe, die es kostet, all die Autoren und Freunde in einem solchen Glückwunsch zu versammeln, kann ich mir einigermaßen vorstellen, was mich nur um so dankbarer machen muß.“

 

Ein schönerer Lohn für die Autoren ist kaum denkbar!

 

Auch anlässlich seines 95. Geburtstages am 16. April 2022 möchten wir unserem Heiligen Vater eine kleine Lesefreude aus seiner deutschen Heimat bereiten. Hierzu tragen alle Autoren und Gratulanten bei. Beson­derer Dank gebührt an dieser Stelle einigen edlen Spendern, welche die Verbreitung der Festschrift in großzügiger Art und Weise unterstützen. Vergelt’s Gott!

 

Am 1. Juli 2020 verstarb in Regensburg unser Ehrenvorsitzender und Ehrenherausgeber Domkapellmeister Professor Dr. Georg Ratzinger. Unser Heiliger Vater charakterisierte seinen Bruder so:

 

„Es waren vor allem drei Eigenschaften meines Bruders, die in vielen Varianten immer wiederkehrten und die auch mein persönliches Gefühl in dieser Stunde des Abschieds wiedergeben. Zuerst und vor allem wird immer wieder gesagt, dass mein Bruder seine Berufung zum Priestertum zugleich als musikalische Berufung empfangen und verstanden hat. Dieser Dienst ist für ihn immer mehr zur Freude geworden, die freilich durch vielerlei Leid erkauft werden musste. Feindseligkeit und Ablehnung haben vor allem anfangs nicht gefehlt. Zugleich ist er aber Vater für viele junge Menschen geworden, die ihm dankbar als seine Domspatzen zur Seite standen und stehen. Eine andere Eigenschaft meines Bruders möchte ich noch erwähnen. Da ist zum einen seine heitere Geselligkeit, sein Humor, seine Freude an den guten Gaben der Schöpfung. Zugleich aber war er ein Mann des direkten Wortes, indem er seine Überzeugung offen aussprach. Er hat über 20 Jahre in weitestgehender Blindheit gelebt und war so von einem guten Teil der Wirklichkeit ausgeschlossen. Dieser große Verzicht war immer schwer für ihn, aber er hat ihn auch stets von innen her angenommen und bestanden. Im Letzten aber war er doch ein Mensch Gottes. Auch wenn er seine Frömmigkeit nicht zeigte, so war sie doch über alle Nüchternheit und Redlichkeit die eigentliche Mitte seines Lebens.“

 

Dem ist nichts hinzuzufügen. Möge er in Frieden ruhen.

 

Die Aufgabe als Ehrenvorsitzender und Ehrenherausgeber hat Erzbischof em. Dr. Karl Braun aus Bamberg übernommen, dem ich an dieser Stelle sehr herzlich danke. Der Austausch mit ihm befruchtet und motiviert.

 

Den Textbeiträgen vorangestellt ist das eigens für die Festschrift geschaffene Portrait Seiner Heiligkeit des Künstlers Professor Dr. iur. Gerrit Winter. Mit dem renommierten Versicherungsrechtler und Künstler aus Hamburg verband mich eine lange respektvolle Freundschaft und meine Freude war groß, als er anbot, den Heiligen Vater zu portraitieren. Noch größer war die Freude, als er daheim in der guten Stube sein meisterhaftes Werk präsentierte und zur Veröffentlichung zur Verfügung stellte. Gerrit Winter verstarb Ende Januar 2022. Möge auch er in Frieden ruhen.

 

Die Abhandlungen im folgenden Teil der Festschrift sind wiederum ein „bunter Strauß“ aktueller Themen, die sich in einem weiten Sinne mit dem Thema „Freude am Glauben“ beschäftigen. Hierbei hatte jeder Autor die Freiheit, eigene Schwerpunkte zu setzen. Dies ist, wie ich meine, vielfältig und zum Teil in eindrucksvoller persönlicher Art und Weise gelungen.

 

In den Monaten vor seinem 95. Geburtstag dachten manche, dass der Blick auf das Leben und Werk Joseph Ratzingers / Benedikt XVI. beschädigt wäre. Menschliche Fehler eingerechnet, sprechen die Fakten eine völlig andere Sprache. Der persönliche und amtliche Einsatz Joseph Ratzingers im Kampf gegen die Verbrechen, die im Herzen der Kirche stattfanden, die Konsequenz seiner Maßnahmen vor allem als Präfekt der Glaubenskongregation und als Papst und die Empathie seiner Person stehen jedem, der es sehen will, vor Augen. Wer tiefer sieht, erkennt eine Auseinandersetzung um den Beitrag der Theologie Ratzingers zur Kirche, im Letzten einen Streit um das Wesen der Kirche selbst – so Professor Dr. Achim Buckenmaier, Vorsitzender des Stiftungsrates der Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI.-Stiftung, in seinem Grußwort.

 

Die Kirche und die christliche Botschaft insgesamt befinden sich, in unserem Land und in den westlichen Gesellschaften zumindest, in einer Krise. Die Dimension dieser Krise nimmt Bischof em. Heinz Josef Algermissen so wahr: Es ist nicht nur eine strukturelle Kirchenkrise, sondern eine fundamentale Krise des Glaubens an einen personal anteilnehmenden Gott. Seine Schlussfolgerung lautet: Gott allein kennt Gott ganz, auch seine dunklen Tiefen. Der Geist, der die Tiefen Gottes auslotet, muss uns beistehen, das Dunkle des Kreuzes auszuhalten. Tatsächlich müssten wir vor der Vielfalt des Leidens im globalen Bereich, aber auch in unserer Nähe, vor der Unermesslichkeit der Brutalität, der Trauer und Trostlosigkeit resignieren, wären wir nicht getragen von der Hoffnung trotz allem, dass Gott selbst am Ende alle Tränen trocknen wird.

 

Wer sich mit der kaum überschaubaren Fülle der Schriften von Papst Benedikt XVI. beschäftigt, wird bestätigen, was der Papst im Vorwort zu Band I seines dreiteiligen Buches über „Jesus von Nazareth“ bemerkt, dass nämlich dieses Werk „einzig Ausdruck meines persönlichen Suchens nach dem Angesicht des Herrn“ ist. Einen Beitrag zu tieferem Verspüren dieser Wahrheit, zu einer fundierten Freude am Glauben und zu einer frommen Verehrung des Antlitzes Christi im Sinne der diesbezüglichen Intentionen des emeritierten Heiligen Vaters gibt Erzbischof em. Dr. Karl Braun mit seinem Artikel „Begegnung mit dem Bild Christi auf dem Turiner Grabtuch“.

 

Seit die Säkularisierung im 19. und 20. Jahrhundert die westliche Gesellschaft erfasst hat, hat der Einfluss der Kirche auf Staaten, Gesellschaften und Individuen rapide abgenommen. Die christlichen Minderheiten müssen, um aus der christlichen, ethischen Erbschaft einen glaubwürdigen und effektiven Einfluss auszuüben auf die Politik und die Gesellschaft, auch aus Heiligen bestehen, schreibt Willem Jacobus Kardinal Eijk. Eine solche kreative Minorität waren vielleicht die Regierungschefs, die nach dem Zweiten Weltkrieg – statt sich am besiegten Feind zu rächen – auf der Grundlage ihrer christlichen Überzeugungen die Aussöhnung untereinander anstrebten und in diesem Zusammenhang den Grundstein für die spätere europäische Gemeinschaft legten: Adenauer, Schumann, De Caspari und De Gaulle. Leider wurde ihr christlicher Einfluss aufgrund der raschen Selbstsäkularisierung seit den 1960er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auch unter Katholiken nicht mehr nachgeahmt. Aber sie sind und bleiben inspirierende Beispiele für überzeugte junge Katholiken, die eine kreative Minorität bilden mit einem fruchtbaren Einfluss auf die Kultur, die politische Welt und die Gesellschaft.

 

Für Professor Dr. Hubert Gindert ist Papst Benedikt XVI. Leuchtstern und Wegbegleiter im Leben. Das Zweite Vatikanische Konzil wurde, in Kenntnis der Unwissenheit der Gläubigen über die Konzilstexte, für „Neue Wege“ in Liturgie und im Sakramentenverständnis missbraucht. Für die gläubigen Katholiken waren die Schriften von Joseph Ratzinger auf ihrem Weg durch die Zeit Orientierung und Hilfe. Diesen Weg, auf dem Joseph Ratzinger ein sicherer Kompass war, erläutert der Autor anhand einiger Stationen, die bis Europa führen. Denn wenn Europa seine christliche Identität bewahren, besser, zurückgewinnen will, dann geht es darum, wie die christlichen Wurzeln wieder belebt werden können.

 

Die im Festschriftbeitrag von Professorin Dr. Michaela C. Hastetter angestrebte Wanderung durch eine Reihe von gezeichneten Häuserwelten knüpft an Joseph Ratzingers Büchlein „Wanderungen im Kirchenjahr“ an, in dem er ästhetisch motivierte Bildpredigten vorgelegt hat, die das jeweilige Festgeheimnis anhand von ausgewählten Gemälden theologisch erschließen. Vorliegend soll in einer etwas abgewandelten Form das Wagnis unternommen werden, durch Pablo de la Riestras Häuserwelten mit Joseph Ratzinger gleichsam theologisch zu wandern und dabei vor allem den Jubilar selbst zu Wort kommen zu lassen. Eine Erschließung der Theologie des Hauses im Werk von Joseph Ratzinger indes steht noch aus. Daher wird vor dem eigentlichen Wanderweg von Haus zu Haus eine theologische Ortsbestimmung des Stellenwertes des Hauses in der Theologie Joseph Ratzingers mit strukturanalogen Verweisen auf die Häuser­zeichnungen von Pablo de la Riestra vorgenommen. Anknüpfend an die augustinische Grundlinie zur Theologie des Hauses aus der Promotionsarbeit des Jubilars geschieht dann die theologische Entfaltung und Weiterführung Ratzingers Theologie des Hauses anhand seines Predigtwerkes.

 

„Wie gelingt gutes Zusammenleben der Religionen?“ fragt Professor Dr. Ulrich Hemel. Das Zusammenleben von inzwischen rund acht Milliarden Menschen unter den Herausforderungen des Klimawandels, der digitalen Transformation, des Kampfes politischer Systeme und der bisweilen konfliktiven Vielfalt von Religionen ist anspruchsvoll. Zur Überlebensaufgabe der Menschheit gehört auch das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Religionen auf dieser einen Erde. Gelingt dieses, können Religionen starke zivilgesellschaftliche Akteure zugunsten eines globalen Friedens in einer global nachhaltigen Gesellschaft sein. Die Anerkennung des Ziels „guter religiöser Praxis“ als einem 18. Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen wäre ein wesentlicher Schritt in diese Richtung.

 

Nach dem „zweiten Karfreitag“, der erneuten Kreuzigung Jesu durch die totalitären Regime des 20. Jahrhunderts, die mit Auschwitz ein „Golgota“ unserer Zeit schufen (um den hl. Johannes Paul II. zu zitieren), erleben wir heute, im beginnenden 21. Jahrhundert, den globalen Karsamstag, die Zeit der Zweifel, der dunklen Gedanken, ja des Glaubensabfalls. Ein Karsamstag war auch jener 16. April vor 95 Jahren an dem Joseph Ratzinger in Marktl am Inn geboren wurde. Benedikt XVI. ist daher, so der Autor Dr. Michael Hesemann, der „Papst des Karsamstags“. Er wurde verhöhnt und mit Unterstellungen überzogen wie die Jünger, die drauf und dran waren, aus Jerusalem zu fliehen, wo sie noch Schlimmeres befürchteten. Doch als die Nacht am finstersten war, flammte im Grabe Gottes, der nur scheinbar tot und von der Gesellschaft abgehakt war, ein Licht auf, das alles veränderte. Dieses Licht der Wahrheit ist es, das auch uns in dieser Zeit Hoffnung und Orientierung gibt. Denn als Christen wissen wir, dass auf die finstere Nacht des Karsamstags das helle Licht des Ostermorgens folgt und dann der Osterjubel die Welt erfüllt.

 

Wer glaubt, ist nie allein! Das war auch das Motto für den Besuch des Papstes Benedikt XVI. in seiner bayerischen Heimat vom 9. bis zum 14. September 2006. Das Mottolied mit einem Text von Hagen Horoba und der Melodie von Christian Dostal wurde von vielen Kirchenchören übernommen und wird bis heute gern gesungen. Den Text des Liedes sieht Professor Dr. Claus Hipp als Zusammenfassung für die Kraft im Glauben, die wir im Pontifikat Benedikts XVI. in den Jahren 2005 bis 2013 erfahren haben. Im Liedtext spiegelt sich wider, was Papst Benedikt XVI. selbst in einer seiner letzten Ansprachen als Pontifex zum Ausdruck brachte und was am Beginn des Interview-Buches Letzte Gespräche steht: „Glauben ist nichts anderes, als in der Nacht der Welt die Hand Gottes berühren und so – in der Stille – das Wort hören, die Liebe sehen.“

 

Der 95. Geburtstag von Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. ist für Kurt Kardinal Koch eine willkommene Gelegenheit, seinen bedeutsamen ekklesiologischen Beitrag zu vergegenwärtigen und für die heutige kirchliche und ökumenische Situation fruchtbar zu machen. Denn von dieser Ekklesiologie kann die heute gewiss notwendige Reform der Kirche ausgehen, und sie enthält deshalb auch ein tragfähiges Fundament für die Erarbeitung eines ökumenischen Konsenses über das Kirchenverständnis, ohne den es keine Eucharistiegemeinschaft geben kann. Und wer sich an dieser Ekklesiologie orientiert, bei dem stellt sich jene Freude ein, die nicht nur die Theologie Joseph Ratzingers / Benedikt XVI. ausstrahlt, sondern die bereits der Verfasser des Ersten Johannesbriefes bei seiner Beschreibung der christlichen Communio zugesagt hat.

 

Wer die Texte von Papst Benedikt analysiert, so Professor Dr. Roland Koch, wird eher dogmatische Fragen des Glaubens im Mittelpunkt finden als konkrete Einschätzungen und Anforderungen an Ordnungskräfte und Akteure der Wirtschaft. Aber auch hier hat der so grundsätzlich denkende Anführer der Christenheit seine sichtbaren Spuren geformt. Die katholische Soziallehre dokumentiert die Erwartung, dass marktwirtschaftliche Systeme die Ansprüche an Freiheit und Verantwortung in Übereinstimmung bringen können. Die Soziale Marktwirtschaft als deutsches Model ist der Realität gewordene Versuch, diese Erwartung Wirklichkeit werden zu lassen. Vielleicht sind es ja die deutschen Erfahrungen mit der Sozialen Marktwirtschaft, die zwar keine perfekte Welt, aber doch ein stabiles, sozial rücksichtsvolles und wohlhabendes Gemein­wesen schuf, die ihn auch in Zeiten einer schweren Vertrauenskrise die Orientierung nicht aufgeben ließ.

 

An dieser Stelle fehlt eine Zusammenfassung des Beitrags von Jürgen Liminski. Unser Freund und Bruder im Glauben verstarb im Juni 2021, bevor er seinen zugesagten Text verfassen konnte. Beim Kongress „Freude am Glauben“ 2019 in Aschaffenburg bezeichnete ich ihn als „Titan der Familienpolitik“. Er war mehr, viel mehr. Ich vermisse ihn. Möge er in Frieden ruhen.

 

Als „lichtreichen Diener der Wahrheit“ beschreibt Martin Lohmann den Heiligen Vater. Vor einer auch heute versuchsstarken Anpassung an den jeweiligen Zeitgeist oder – wie man heute zu sagen pflegt – Mainstream, die eine billige und falsche wäre, hat er wie ein Prophet immer wieder gewarnt. Die buchstäblich Not wendende Entweltlichung der Kirche Gottes war für den Schriftsteller, Theologen und Kirchenvater auf der Cathedra Petri ohne Alternative. Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. war und bleibt verständlich, unbequem, klar und einladend. Vor allem aber war und ist er ein Mensch, bei dem man geradezu musikalisch schön erfahren und lernen konnte, wie aufbauend und lebensfroh, ja, wie befreiend und stärkend die Liebe zur Wahrheit sein kann. Vater Benedikt ist wahrhaftig ein Diener der Wahrheit in Liebe.

 

Die Himmelfahrt Christi gehört zu den ältesten christlichen Dogmen. Sie findet sich in allen Formen des Apostolischen Symbolums. Das Dogma lautet: Christus stieg mit Leib und Seele aus eigener Kraft in den Himmel hinauf. Um gewollten oder ungewollten Missverständnissen vor­zubeugen, stellt Professor Dr. Georg May gleich am Anfang seiner Überlegungen fest: Das Wort Himmel ist doppeldeutig. Einmal besagt es das scheinbare Gewölbe, das sich über dem Horizont eines Beobachters auf­spannt, wo die Wolken ziehen, von wo der Regen fällt, zu dem die Astronauten aufsteigen, wo zahllose Sterne sich befinden. Zum anderen ist Himmel „das theologische Bildwort für den endgültigen Heilszustand der durch Christus mit Gott für immer vereinten, geretteten Menschheit“, der nicht räumlich bestimmt werden kann, „die Dimension des Einsseins von Gott und Mensch“. Das Bekenntnis der Himmelfahrt Christi ist untrennbar mit dem Bekenntnis seiner Auferstehung verbunden und umgekehrt.

 

Für Deutschland erstellte der Kölner Diözesanpriester Prälat Prof. Dr. Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, welches er hier in einer Kurzform vorstellt. Inzwischen liegt das Werk seit dem Jahr 2019 in seiner siebten, überarbeiteten und aktualisierten Auflage vor. Die beiden Bände enthalten die Lebensbilder von annähernd 1000 deutschen Blutzeugen, die für und im Bekenntnis ihres Glaubens ihrem gewaltsamen Tod zugestimmt und ihn erlitten haben. Eine ausführliche Einführung beschäftigt sich mit der Geschichte und dem Wesen des Martyriums im lehramtlichen Verständnis der katholischen Kirche. Sie alle, die Ordensleute und die Diözesanpriester mit den Laien beiderlei Geschlechts, sind uns Heutigen untrügliche Vorbilder im christlichen Glauben. Sie sind nicht in den blutigen Tod hineingestolpert, sondern waren sich der Folgen bewusst, die auf sie warteten.

 

Das II. Vatikanische Konzil ist nach Ansicht von Gerhard Kardinal Müller das wichtigste Ereignis der neueren Kirchengeschichte. Das Konzil hielt es in besonderer Weise für seine Aufgabe, sich um die Erneuerung und Pflege der Liturgie zu sorgen. In diesem Bemühen um eine tiefreichende Neuaneignung des Glaubens und eine Identifikation aller Christen mit der Sendung der Kirche kommt der Liturgie eine unverzichtbare Aufgabe zu. Die „Leiturgia“ ist neben der „Martyria“ und der „Diakonia“ eine der drei Grundvollzugsweisen der Kirche. Von ihr sagt die Kirchenkonstitution „Lumen gentium“, dass sie „in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ ist. In dem nach dem Konzil entstandenen Neuen Messbuch und den anderen liturgischen Büchern finden sich auffällige Veränderungen des Erscheinungsbildes des katholischen Gottesdienstes im Vergleich zur Liturgie-Entwicklung vorheriger Jahrhunderte. Aufs Ganze hin gesehen wird jeder Katholik, der mit der Kirche denkt und fühlt, – so Kardinal Müller – diese Reform als gelungen bezeichnen und die reichen Früchte begrüßen, die in einer aus der Liturgie gespeisten Frömmigkeit reifen konnten. Zu Recht bezeichnete Papst Franziskus Kardinal Müller im März 2022 als „Meister der katholischen Lehre“.

 

Kirche und Gesellschaft brauchen eine Neuorientierung, fordert Professor Dr. Werner Münch. Weil es Gottvergessenheit, Gottesferne und auch Gottesfeindschaft gibt, müssen wir wie Sauerteig sein, eine kleine Pflanze, die wächst, der „heilige Rest“, wie Jesaja sagt. Wir sind der Wahrheit, Schrift und Tradition verpflichtet. Kein Christ kann die Wahrheit, die von Gott kommt, nach Gutdünken manipulieren. Man kann diese Wahrheit annehmen oder ablehnen, aber beliebig verändern kann man sie nicht. Wir nehmen sie an, denn wir leben nicht von der Zustimmung der Welt, sondern in der Nachfolge Christi. Das heißt, dass wir bereit sein müssen, unseren Glauben mutig zu bekennen und unseren Auftrag zur Mission ernst zu nehmen und zu verwirklichen. Und immer steht unser Gebet im Vordergrund, denn der Beter ist oft wie eine Wurzel, die man nicht sieht, aber ohne die es keine Blüten gibt, die man dann später bewundern kann.

 

Der Joseph Ratzinger, dem Bernd Posselt immer wieder begegnen durfte, war ein ungemein aktiver und bedeutsamer Baumeister des geistigen Europas – eine Funktion dieses vielseitigen Jahrhunderttheologen, die viel zu wenig bekannt ist. Er drang tief zu den griechischen, jüdischen und christlichen Wurzeln des Abendlandes vor, fand aber auch Antworten auf die aktuelle Krise unseres Erdteils, die gerade glaubenslose und laizistische Intellektuelle faszinierten und überzeugten. Dabei war und ist ihm jede oberflächliche abendländische Romantik fremd. Klarsichtig benannte er stets die dunklen und die hellen Seiten unserer europäischen Geschichte und Zivilisation. Diesen Papst bewegt nicht nur die zerstörerische Kraft einer von Gott abgekoppelten Wissenschaft und Vernunft, sondern auch, dass Europa mit der Verdrängung des christlichen Gottes seine Friedensfähigkeit verlieren könnte.

 

Eine Zeitanalyse aus Sicht eines gläubigen Soldaten legt Generalleutnant Dr. Ansgar Rieks vor. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die christlich-kirchlichen Grundlagen und Werte in unserer modernen Welt nicht obsolet sind. Es gilt, sie zu kommunizieren, neu klar darzulegen und einem individualisierten suchenden Menschen an die Hand zu geben. Da wo Spielraum in der Einschätzung ist, diesen frei anzusprechen; da wo es keinen gibt, aber auch. Eine Kirche, die fern jeder gelebten Realität ist, kann auf Dauer nur sehr wenige Gläubige halten. Es bedeutet aber nicht, allen kruden Entwicklungen und gesellschaftlichen Strömungen kirchlichen Raum zu geben, nur weil sie irgendwo eine minimale Realität geworden sind und sie aus Gründen der Diversity und des Individualismus „akzeptiert“ werden müssen. Es gibt Dinge und Lebenswirklichkeiten, wo die Kirche dem Rad in die Speichen fallen muss, auch wenn sich das in unserer Welt bereits „bestenfalls komisch“ anhört. Christ-Sein, Glaube und Kirche können nicht beliebig sein.

 

Professor Dr. Cornelius Roth macht darauf aufmerksam, dass Benedikt XVI. seine Glaubenskraft ganz besonders aus der gefeierten und reflektierten Liturgie gewonnen hat. Um seine liturgietheologische Position zu verdeutlichen ist daher der Blick auf seine Beziehung zu Romano Guardini aufschlussreich, wobei sowohl viele Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede deutlich werden. Bei der konkreten Feier der Gottesdienste gilt es, sich immer vor Augen zu führen, dass es um Gott, nicht allein um uns geht; bzw. um uns nur in dem Sinne, insofern wir als Menschen hineingenommen sind in die göttliche Herrlichkeit. Etwas zugespitzt formuliert: Liturgie wird nicht von liturgischen Kommissionen „gemacht“, sondern kommt aus dem „Urquell“ Gottes. Dass dieser liturgische „Urquell“ die Kraft Gottes ist, die Benedikt XVI. sein Leben lang begleitet hat, verbindet den emeritierten Papst und großen liturgie­theologischen Denker mit Romano Guardini.

 

Freiheit war das beherrschende Thema, als Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl am 23./24. Juni 1986 eine Romreise unternahm, die teils privaten Charakter trug, wie Dr. Frank Sobiech herausfand. Am 24. Juni überreichte Kohl Joseph Kardinal Ratzinger in der Residenz des Botschafters beim Heiligen Stuhl das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Ratzinger würdigte dabei mit Blick auf den rechtsstaatlichen Charakter der Bundesrepublik Deutschland „Freiheit und Recht seiner Bevölkerung, einschließlich der Glaubensfreiheit“. Mit Kohl sah sich Ratzinger einem Bundeskanzler gegenüber, dem christliche Werte für sein Handeln vor Augen standen.

 

Unternehmerisches Handeln erfordert Mut. Nachhaltigkeit im Erfolg erfordert Demut. Beides kann man aus dem Glauben schöpfen, erläutert Dr. Rüdiger von Stengel in seinem Glaubenszeugnis. Der Glaubende weiß sich von der Liebe Gottes getragen. Aus Liebe zu Gott versucht er im vollen Bewusstsein seiner Unvollkommenheit sich an den Tugenden zu orientieren. Während er sich durch die göttlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung getragen weiß, sind die Kardinaltugenden handlungsleitend: Klugheit erfordert die konsequente Ausrichtung an der Wirklichkeit. Gerechtigkeit ist leitend für den von Respekt getragenen Umgang mit den Mitmenschen, Tapferkeit ist die Bereitschaft, Widerstände auszuhalten und klug zu überwinden. Mäßigung ist der geordnete Umgang mit den Leidenschaften, als positiver Antrieb, aber mit aus der Würde abgeleiteten Leitplanken. So kann man als Christ (erfolgreicher) Unternehmer sein.

 

Für jeden politischen Verantwortungsträger ist es gewinnbringend, sich mit dem politischen Denken von Benedikt XVI. auseinanderzusetzen, gerade wegen seiner einfachen wie zugleich tiefsinnigen Formulierungen, so Manfred Weber. Seine Rück- und Einblicke zeigen einen Kirchenmann, bei dem das Nachdenken im Vordergrund steht. Seine Rückblicke heben sich wohltuend von manchen ab, die Weber in der Politik erlebt hat. In seinem Buch „Letzte Gespräche“ zählt der Heilige Vater auch keine Leistungsbilanzen auf oder rühmt sich erbrachter Erfolge, sondern stellt die Muschel in seinem Wappen ins Zentrum. Joseph Ratzinger war und ist ein Pilger geblieben, der nach der Wahrheit sucht.

 

Damit die Kirche als Ort der Geborgenheit erfahrbar wird, braucht es keine menschlichere Kirche, denn sie würde bald allzu „menschlich“ und vom Wind des Zeitgeistes gebeutelt werden, stellt Professor Dr. Ralph Weimann fest. Es braucht eine göttlichere Kirche, die sich vom Heiligen Geist antreiben lässt, der durch Umkehr und Buße den Weg zu Gott weist. Daher ist die Kirche neues Volk Gottes, dessen Neuheit darin begründet ist, dass Jesus Christus in ihr gegenwärtig ist und bleibt. Es gilt der Primat des Unsichtbaren; er ist die Quelle, die die Kirche im Sein erhält und ihr jene verwandelnde Kraft schenkt, die die Kirche auch heute und immerdar zum Ort wahrer Geborgenheit werden lässt, auch in den Stürmen der Zeit. Der Zuspruch des Herrn gilt all jenen, die in Treue an Ihm festhalten.

 

Der Glaubende weiß sich mit allen Menschen verbunden und ist nie allein, weiß Abtprimas emeritus Notker Wolf. Gott hat jeden Menschen geschaffen und liebt ihn. In ihm ist Christus gegenwärtig, besonders dann, wenn er arm ist und leidet. Der Glaube blickt tiefer in den Menschen hinein, jeder ist mit Gott verbunden, selbst wenn er einen Gott ablehnt; denn dabei wäre zu fragen, welchen Gott er ablehnt. Aber letzten Endes kann ich Jesus Christus in jedem Menschen wiederfinden, in dem frohen wie in dem gepeinigten Gesicht. In dem fragenden, in dem leidenden, in dem hungernden und durstigen Menschen und auch in denen, die auf der Flucht sind, leidet Jesus mit. Er selbst kennt das Leid und die Verzweif­lung angesichts des nahenden Todes, er kennt die Einsamkeit am Kreuz. Selbst da hat er noch dem reumütigen Schächer Gemeinschaft zugesagt, und zwar eine Gemeinschaft im Paradies.

 

Die Kirche als Liebesgemeinschaft wird dazu anleiten, im Hören aufeinander gemeinsam dem Willen Gottes nachzuspüren, ihn zu erkennen und tiefer zu verstehen, konstatiert Rainer Maria Kardinal Woelki. Dabei kann es nicht um reine Mehrheitsentscheidungen nach eigenem Gutdünken gehen. Es geht um wohlwollende Einmütigkeit im Erkennen des Willens Gottes. Eben deshalb ist auch stetige gegenseitige Neuevangelisierung so wichtig. Das Ziel, das wir dabei vor Augen haben dürfen, darf uns Hoffnung und Ansporn sein: dass wir zu einer immer tieferen Gemeinschaft mit Christus gelangen und so zu wirklicher, wahrer Freude.

 

Im abschließenden Teil der Festschrift gratulieren in einer umfangreichen tabula gratulatoria zahlreiche Persönlichkeiten, angeführt von unserem Ehrenvorsitzenden Erzbischof em. Dr. Karl Braun, dem Heiligen Vater zu seinem Ehrentag – darunter die Hochwürdigsten Kardinäle Brandmüller und Wetter, der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, zahlreiche Bischöfe, Kirchenmänner, Ordensleute und Vertreter des politischen und gesellschaftlichen Lebens im gesamten deutschsprachigen Raum.

 

Wir wünschen unserem Heiligen Vater und allen Leserinnen und Lesern unserer Festschrift eine angenehme Lektüre dieses anregenden nutrimentum spiritus.

 

Roger Zörb

Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung christlicher Verantwortung e. V.

Hamburg, im April 2022